
Ich habe wieder die Lust am Schmökern gefunden - Als Steuerberaterin muss ich mich so intensiv mit Fachliteratur befassen, dass mir wenig Zeit zum richtigen Schmökern bleibt, so, wie ich es leidenschaftlich gerne als Schulmädchen machte. Und dann schenkten mir meine Mitarbeiterinnen den zweiten Band eines Steuerberater-Krimis. Zuerst dachte ich: was soll denn das jetzt, ein Steuerberater als Detektiv und dann noch von einem Fachbuchverlag!. Aber beim Lesen stellte ich dann so viele bekannte Facetten fest, dass ich nicht nur gefesselt war, sondern auch in mir etwas nachhaltig bewegt wurde, wie ich es lange nicht mehr erlebt habe. Der Kollege Darius Schäfer geht mir seit dem nicht mehr aus dem Kopf. Mit viel menschlichem Verständnis schildert der Autor an dieser Figur die Wandlung eines nicht untypischen Vertreters unseres Berufstandes zu einem Menschen, der nicht nur seine Umgebung sondern auch sich selbst wieder wahr nimmt.Und das alles reichhaltig garniert mit Spannung und schlagfertigem Witz. Ich bin überzeugt, dass dieses Buch nicht nur Steuerberatern einiges zum Nachdenken gibt, sondern all denen, die meinen, sie seien Unabkömmlich. Schön, dass Darius Schäfer, nachdem er mehrmals in die Irre geht und auch beinahe nicht mehr unversehrt aus der Geschichte rauskommt, nicht nur den Mord an einem lieben Kollegen aufklärt, sondern seine neue Liebe gefunden hat. (Der Schluss ist übrigens gemein, ich dachte, alles sei vorbei und dann geht das Rätselraten nochmals los).Aber mir hat C. Stahl wieder die Lust am Schmökern vermittelt. Der erste und der zur Zeit letzte Krimi dieser Reihe warten bereits auf dem Nachttisch.
Spannend amüsiert - Nach dem Erstlingswerk (Tödliche Veranlagung) kam die Fortsetzung mit den provokanten Figuren D. Schäfer und H. Koman und weiteren alten Bekannten. Mit psycholgischem Einfühlungsvermögen kann man den Protagonisten und seinen neuen Freund, den HK, dabei erleben, wie er in jede Falle (Fettnäpfchen) latscht, um dann doch mit verblüffender Kombinationsgabe und Chuzpe den verzwickten Fall lösen zu lösen. Eine Fülle fiktiver Realitäten (es gibt halt nichts, was es nicht gibt) und die lockere Sprache adeln den Begriff Trivialliteratur. Dabei gelingt es Ch. Stahl, einen Ablauf durchzuhalten, der den Leser zuerst gemächlich und behutsam einlullt, um ihn dann in immer schnellerem Handlungswechsel in einen Lesestrudel zu dirigieren, dem er sich nicht mehr entziehen kann. Ich habe mich selten so spannend amüsiert und sofort den 3. Krimi dieser Reihe aufgeschlagen.
Ein Füllhorn voller Klischées - Der Verfasser gibt sich alle Mühe, nicht wie ein Steuerberater (was er im Hauptberuf ist) zu schreiben, sondern wie ein Romanautor. Ein Versuch, der leider nur zum Teil gelingt. Immer wieder kommt die offenbar naturgegebene Spannung zwischen Steuerberatern und Rechtsanwälten durch, Anwälte sind böse und erstellen gewissenlos mehrdeutige Verträge, die später zum Nachteil der anderen Seite ausgelegt werden. Zum guten Schluß kommt heraus, daß die - böse - Anwältin ganz und gar nicht unabhängiges Organ der Rechtspflege ist.Im übrigen wird kein Klischée ausgelassen. Holländer handeln mit gestohlenen Autos und Bayern fahren mit Geländewagen quer durch Wald. Simpler geht s kaum. Im Gegenzug wird die Story zwar interessant erzählt, es tun sich aber soviel unerklärlich Zufälle auf, daß man nicht mehr dran glauben mag.Vielleicht sollte man als Steuerberater lieber doch Steuererklärungen ausfüllen und im wahrsten Sinne des Wortes bei seinen Leisten bleiben.